Titelgrafik zum Interview mit Marcel Sobotta, der mit seinen Hunden im Turnierhundsport aktiv ist. Zu sehen sind Szenen aus Hundesport und Unterordnungstraining.

Interview mit Hundesportler Marcel Sobotta

Hundesport ist längst mehr als nur „Platz, Fuß und Apport“ – zumindest, wenn man sich anschaut, wie vielseitig Training heute gedacht werden kann. Zwischen klassischen Ansätzen, modernen Trainingsmethoden und ganz individuellen Wegen entsteht ein Spannungsfeld, das viele Hundesportler beschäftigt.

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Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich auch Marcel. Gemeinsam mit seinen Hunden zeigt er, dass Hundesport nicht nach Schema F funktionieren muss – sondern vor allem dann stark wird, wenn er individuell gedacht wird.

Besonders spannend finde ich dabei seinen Ansatz: weg von starren Trainingsmustern, hin zu individueller Arbeit mit jedem einzelnen Hund. Wer seine Inhalte verfolgt – sei es im Training oder auf Social Media – merkt schnell: Hier wird nicht einfach kopiert, sondern hinterfragt.

Im Interview sprechen wir über seinen Werdegang, Trainingsphilosophien, Social Media, aber auch über Themen wie Konflikte im Alltag, Familienleben mit Hunden und die Frage, was wirklich gutes Training ausmacht.

Ein ehrliches, reflektiertes und teilweise auch sehr direktes Gespräch über Hundesport – und alles, was dazugehört.

Hallo Marcel, lass uns am Anfang starten: Wie sah dein hundesportlicher Werdegang aus – und was hat dich zu dem Trainer und Hundesportler gemacht, der du heute bist?

Mein Vater und mein Onkel haben immer Boxer geführt, eher im klassischen Stil als Schutz- und Wachhunde innerhalb der Familie. Ich bin sozusagen der Erste bei uns, der mit Langschnäuzern arbeitet – dadurch kenne ich heute beide Welten der Hundeerziehung ziemlich gut.

Rückblickend muss man sagen: Manche Methoden haben damals sicher zum damaligen Wissensstand gepasst, sind heute aber nicht mehr zeitgemäß oder wissenschaftlich fundiert. Das heißt aber nicht, dass früher alles schlecht war. Auch die Hunde selbst haben sich verändert – Rassen, Sportarten und Zuchtlinien sind heute andere als noch vor 20 oder 30 Jahren.

Was ich klar revidieren würde, ist die Überzeugung, dass klassische Schema-F-Methoden bei jedem Hund funktionieren. Genau das tun sie nicht. Deshalb arbeite ich oft anders, als man es vielleicht erwartet. Mein Anspruch ist es, Training individuell auf jeden Hund abzustimmen – vom Timing über Belohnung bis zur Trieblage. Kein Hund ist gleich, also sollte auch kein Training gleich aussehen.

Was mir aus früher besonders in Erinnerung geblieben ist: Es gab weniger Wettkämpfe, vieles war vereinsintern und eher als Hobby gedacht. Genau das stirbt heute leider zunehmend aus. Reine Hobbygruppen werden weniger, auch weil Zeit, Trainerkapazitäten und Werte sich verändert haben – und Vereine stärker auf Außenwirkung angewiesen sind.

Hot Take: Ich bin überzeugt, dass es in fast jeder Hundesportart Teams gibt, die nur „für sich“ trainieren und nie auf Turnieren starten, aber Leistungen zeigen, die locker für eine Top-10-Platzierung auf einer Deutschen Meisterschaft reichen würden – nur eben in ihrem eigenen Umfeld.

Ich selbst mag Competition, keine Frage. Gestartet bin ich aber vor allem, um unseren Verein wieder sichtbarer zu machen – und weil Sammy es konnte und vor allem richtig Spaß daran hatte. Davor haben wir viele Sportarten ausprobiert, ganz klassisch in Hobbygruppen 😉.

Hund springt beim Turnierhundsport über einen Ochser neben Marcel Sobotta während eines CSC-Wettkampfs.

Was können sich andere Hundemenschen ganz konkret von dir, deinen Hunden und eurem Training abschauen?

Puh… in erster Linie sollte sich jeder das aussuchen, was zum eigenen Team passt und sich gut anfühlt.

Wenn ich mich festlegen müsste, dann ist es bei uns ganz klar die Konsequenz im Grundlagentraining – und dass ich diese Basics wirklich auf alle Situationen ausweite (z. B. rechts geführt, mittig, rückwärts). Sportkommandos nutze ich im Alltag kaum, damit sie ihre Verbindlichkeit behalten. Zuhause heißt es dann eher „leg dich hin“ statt „Platz“.

Zusätzlich ist jedes Kommando bei mir an ein körpersprachliches Bild geknüpft. Ich arbeite generell viel über Körpersprache und liebe es, wenn der Hund sich komplett daran orientiert – auch ohne Worte.

Was viele auf Instagram sehen, sind Highlights – dahinter steckt aber extrem viel Basics-Arbeit. Klare Kommunikation, saubere Signale und gutes Timing sind für mich das A und O. Genau das kann man sich abschauen: Basics sind nicht langweilig, sie sind das Fundament.

Auch das Warten der anderen Hunde ist bei uns bewusst Teil des Trainings. Sie lernen Impulskontrolle und, dass man sich trotzdem freuen kann, wenn gerade ein anderer dran ist.

Und ein Punkt ist mir noch wichtig: Für mich gehört Spielen genauso dazu wie Arbeiten. Meine Hunde sollen klar zwischen beidem switchen können – egal wann und egal wo. Dieses Spiel danach ist übrigens oft das, was man in meinen Reels sieht, weil ich dort weniger „pingelig“ bin und einfach laufen lasse 😊

Was würdest du sagen: Was macht euch als Team besonders?

Ich glaube, uns macht aus, dass wir echt und unkonventionell und selbstironisch sind. Meine Hunde sind alles Mischlinge keine typischen „Leistungssport-Rassen“

Ich vergleiche uns gerne mit der letzten Reihe in einer Schulklasse: nicht perfekt sortiert, manchmal albern, aber wir halten zusammen und haben Spaß an dem, was wir tun.

Mit Herz und Hirn kann man im Hundesport weit kommen unabhängig von Rasse, Budget oder Mainstream-Methoden.

Du bist sehr aktiv auf Instagram. Was macht dir an der Plattform besonders Spaß und warum nutzt du sie so intensiv?

Instagram ist für mich in erster Linie eine Inspiration und Austauschplattform . Mir macht es unglaublich Spaß, unsere Trainingsfortschritte in kurzen Clips oder Bildern festzuhalten und mit der Community zu teilen. Plus wenn ich ein Video schneide, reflektiere ich mein Training viel bewusster.

Zum anderen liebe ich den Kontakt mit Gleichgesinnten, über Instagram habe ich Hundesportler aus aller Welt kennengelernt.

Jemanden, der schreibt „Dank deinem Video habe ich heute was Neues probiert“, freut mich riesig. 😃 Ich genieße es, unsere Reise zu dokumentieren.


In deinen Postings zeigst du neben Trainingseinblicken auch klare Positionen zu polarisierenden Themen wie Hobby-Dogging, der Abschaffung von Schulsportnoten oder deiner kritischen Haltung zum Schutzdienst. Warum, glaubst du, ist die Hunde(-sport)-Bubble bei solchen Themen oft besonders emotional oder kontrovers? Hast du schon einmal bereut, etwas gepostet zu haben, nicht wegen Kritik, sondern wegen der möglichen Wirkung auf andere?

Ich glaube, die Hundesport-Bubble ist deshalb so emotional, weil Hunde für uns alle eine echte Herzensangelegenheit sind zumindest hoffe ich das. Sobald es um Hundethemen geht, gerade im Sport, fühlen sich viele persönlich betroffen, ziehen Parallelen zum eigenen Vierbeiner und leiten daraus ihre Schlüsse ab.

Marcel Sobotta läuft mit seinem Hund durch einen Slalomparcours auf einer Wiese beim Turnierhundsport-Training.

Was dabei oft vergessen wird: Nur weil ein Hund den Kopf schräg legt und süß guckt, ist die kleine Berta, ein Pinscher-Mischling aus dem Tierschutz, geführt von Hilde, einer 60-jährigen Hausfrau aus Berlin-Spandau, die Rally Obedience läuft, eben kein gezüchteter Jagdpinscher. Diese Hunde sind schlicht nicht vergleichbar, weder genetisch noch in ihren Anlagen oder ihrem sportlichen Potenzial. Genau diese fehlende Differenzierung sorgt meiner Meinung nach häufig für Missverständnisse und emotionale Diskussionen.

Bereut habe ich bislang keinen meiner Posts. Ich denke aber sehr bewusst über ihre Wirkung nach nicht wegen der Kritik, mit Gegenwind kann ich gut umgehen, sondern wegen der Frage: Was löse ich damit aus?

Ein Beispiel: Als ich das Thema Hobby-Dogging erstmals aufgegriffen habe, war das klar satirisch gemeint. Der Beitrag ging regelrecht durch die Decke. Im Nachhinein habe ich mich dennoch gefragt, ob sich manche persönlich angegriffen gefühlt haben oder ob ich vielleicht jemanden ungewollt bloßgestellt habe, der es eigentlich gut meinte.

Wenn ich merke, dass ein Post potenziell mehr schaden als nutzen könnte, veröffentliche ich ihn nicht. Bis heute musste ich zum Glück nichts wirklich bereuen, aber es bleibt ein ständiger Lernprozess, verantwortungsvoll mit der eigenen Reichweite umzugehen.

Apropos Training: Du scheinst ein besonderes Faible fürs Fußlaufen zu haben – zumindest taucht diese Disziplin in vielen deiner Videos auf. Häufig trainierst du einen Hund, während die beiden anderen sehr nah dabei sind, oder du baust bewusst „Spaßelemente“ ohne perfekte Positionen ein. Erzähl mal: Was fasziniert dich an der Fußarbeit und warum wählst du diese Trainingssettings?

Ah, das hatte ich ja zuvor schon ein bisschen angerissen. Theoretisch handelt es sich bei dem, was man in vielen Videos sieht, gar nicht um klassische Fußarbeit. Bei diesen Drehungen und Wendungen sage ich so gut wie nie „Fuß“.

Man kann es eher mit einer Art Dogdancing-Choreografie vergleichen, mit einer ähnlichen Ausgangsstellung wie in der Fußarbeit, aber eben deutlich variabler: mal zwischen den Beinen, mal rechts geführt. In Kombination mit Spielzeug oder Futter ist das für uns in erster Linie Spiel und gleichzeitig eine Form der Bestätigung.

So halte ich das Spaßlevel der Hunde hoch, biete ihnen Abwechslung und trainiere ganz nebenbei auch ihre Impulskontrolle.
Unser wirkliches Unterordnungs-Training, also das klassische UO-Training, sieht dann tatsächlich etwas anders aus und ist klarer strukturiert.

Was sind deine wichtigsten „Geheimtipps“ für ambitionierte Hundesportler, die im Fuß hohe Punktzahlen erreichen wollen?

Schwierige Frage. Mein erster Impuls wäre tatsächlich zu sagen: Lauft nicht ständig die komplette Unterordnung „am Stück“ durch.
Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass es Hunde gibt, die genau diese Wiederholung brauchen, um Sicherheit zu entwickeln. Manche finden über diese Sicherheit dann sogar so sehr in ihre Arbeit, dass sie anfangen zu fiepen oder zu bellen, einfach, weil sie sich gar nicht mehr aktiv konzentrieren müssen.

Genau deshalb ist auch hier wieder alles extrem individuell. Es hängt vom Hund, vom Team und vom Trainingsstand ab, welchen Weg ich empfehlen würde. Was ich aber ganz allgemein raten kann:

  1. Hört auf, 50 Meter in einem Tempo geradeaus zu laufen. Sorgt dafür, dass im Training etwas passiert. Baut Tempowechsel ein, Wendungen, Überraschungen, alles, was den Hund mental bei euch hält.
  2. Arbeitet an der Unterordnung lieber fünfmal zwei Minuten als einmal zehn Minuten am Stück. Nicht nur der Hund wird sonst unkonzentrierter, sondern auch ihr selbst und genau dann leidet oft das Timing bei den Bestätigungen. Und danach: immer spielen.
  3. Ein weiterer Punkt, der mir sehr wichtig ist: Hört auf, an Dingen herumzudoktern, die eigentlich schon super funktionieren, nur weil ein Bein vielleicht zu wenig geworfen wurde oder der Hund fünf Zentimeter zu weit vorne, hinten oder links läuft. Damit macht man sich oft mehr kaputt, als man gewinnt, und riskiert, den tollen Ausdruck und die Freude des Hundes zu verlieren.

Genau das liebe ich auch am THS in der Unterordnung: Das Gesamtbild wird vom Richter mitbewertet. Was bringt es, einen Punkt wegen fünf Zentimetern zu gewinnen, wenn man dafür zwei Punkte im Ausdruck und im Gesamteindruck einbüßt?

Und ganz ehrlich: Welche Aspekte deines Trainings zeigst du bewusst nicht auf Instagram?

Haha, erwischt. Ja, natürlich gibt es Dinge, die ich bewusst nicht zeige. Durch deine Fragestellung ist mir tatsächlich erst so richtig bewusst geworden, dass mein reines Unterordnungs-Training auf Instagram quasi gar nicht stattfindet. Da bin ich offenbar der klassische, nicht multitaskingfähige Mann: Ich muss meine kompletten Ressourcen darauf verwenden, alles richtig zu machen, da bleibt einfach keine Kapazität mehr, mich parallel auch noch um eine Kamera zu kümmern.

Marcel Sobotta trainiert mit seinem Hund die Fußarbeit bei Sonnenuntergang auf einem nassen Parkplatz.

Was ich ganz bewusst nicht zeige: Zum Beispiel Situationen, in denen etwas überhaupt nicht funktioniert. Wenn ich eine Übung neu aufbaue und es läuft total schief, greife ich nicht direkt zur Kamera. Nicht, weil ich etwas verbergen möchte, sondern weil ich erst einmal in Ruhe am Problem arbeiten und es selbst verstehen will, ohne Ablenkung durch die „Öffentlichkeit“. Outtakes und Pannen poste ich zwar gerne, aber immer erst dann, wenn ich sie für mich eingeordnet und gelöst habe.

Auch Korrekturen im Training zeige ich nur sehr dosiert. Damit meine ich: Sollte ich meinen Hund einmal verbal oder körpersprachlich korrigieren müssen, würde ich das nicht groß online stellen. Solche Situationen lassen sich extrem leicht missverstehen, wenn der Kontext fehlt. Ich möchte nicht, dass jemand ein fünf Sekunden langes Video sieht und denkt: „Boah, der geht aber hart ran“, obwohl es in Wirklichkeit eine faire, situationsangepasste Maßnahme war. Genauso wenig möchte ich, dass jemand eine sanfte Korrektur falsch nachmacht und dadurch Probleme bekommt. Da bin ich sehr bewusst und vorsichtig.

Deine Frau führt eine Hundeschule, und du arbeitest dort punktuell mit. Wenn du beide Welten vergleichst: Was können Hundesport und klassische Hundeerziehung voneinander lernen?

Oh, da gibt es tatsächlich einiges – auch wenn meine Arbeit dort seit der Geburt unserer Zwillinge erstmal etwas auf Eis liegt.

Hundesportler (mich eingeschlossen) können enorm von der klassischen Hundeerziehung profitieren. Vor allem beim Thema Grundlagen. Hundesport findet oft in einer Art „Kunstwelt“ statt: geordneter Platz, klare Regeln, viel Bestätigung. Im Alltag sieht das aber ganz anders aus.

Was ich gelernt habe: Konflikte überhaupt wahrzunehmen und auch mal ohne „Bestechung“ zu klären. Viele kleine, ungeklärte Situationen summieren sich im Alltag und wirken sich am Ende sogar auf den Sport aus. Eine Regel, die mir sehr geholfen hat: Jedes Verhalten, das ich beim Hund nicht direkt verändern kann, ist theoretisch schon ein Konflikt. Und Konflikt heißt nicht Druck oder Streit, sondern einfach eine ungeklärte Erwartung zwischen Mensch und Hund.

Genau dieses klare, faire Klären von Situationen kommt im Hundesport oft zu kurz.

Umgekehrt kann die Hundeerziehung viel vom Hundesport lernen – vor allem Struktur und Zielsetzung. Im Sport arbeiten wir mit klaren Trainingsplänen und wissen genau, warum wir etwas tun. In der Erziehung fehlt dieses „große Ganze“ oft. Würde man hier strukturierter arbeiten, könnten viele Probleme schneller und nachhaltiger gelöst werden.

Auch die Motivation aus dem Hundesport ist ein riesiger Vorteil – wenn sie richtig eingesetzt wird. Sie kann Training extrem positiv machen, braucht aber klare Regeln, sonst wird sie schnell zum Problem.

Du und deine Frau habt vor einiger Zeit Zwillinge bekommen (wann genau eigentlich? 😉). Drei Hunde und zwei kleine Kinder, – das klingt nach einer echten organisatorischen Meisterleistung. Wie sieht euer Alltag zwischen Familie, Hundetraining und Arbeit aus? Und was hat sich für dich persönlich verändert?

Ja, die Jungs kamen im September 2024 zur Welt.

Unser Alltag jetzt? In einem Wort: chaotisch, aber wir grooven uns langsam ein.
So ganz allmählich wird uns bewusst, dass man mit zwei kleinen Rackern schlicht nicht alles planen kann, egal wie sehr man es versucht. Und genau daran gewöhnen wir uns gerade, wir als Eltern, aber auch die Hunde.

Caro ist aktuell noch in Elternzeit, ich arbeite Vollzeit und habe fast immer einen Hund mit auf der Arbeit. Dass wir über meinen Eltern wohnen, ist dabei ein riesiger Vorteil – ohne dieses Backup wäre vieles deutlich schwieriger. Zusätzlich habe ich einen Schlüssel für den Hundeplatz, was mir ermöglicht, auch zu eher unchristlichen Zeiten zu trainieren, wenn der Platz frei ist.

Meine Wochentage sehen deshalb oft ziemlich ähnlich aus: Arbeiten, nach Hause, Kinderzeit, gerne auch mal gemeinsam mit Jungs und Hunden draußen. Abends werden die Kids ins Bett gebracht und wenn dann noch ein bisschen Energie übrig ist, geht’s nochmal auf den Hundeplatz 😄.

Kinderwagen schieben und dabei die Hunde an der Leine führen ist übrigens mein neues Fitnessprogramm 😅.

Persönlich hat sich für mich enorm viel verändert. Die Prioritäten haben sich klar verschoben. Früher hätte ich kein Turnier sausen lassen, heute ist völlig klar: Wenn ein Kind krank ist oder die Familie ruft, dann hat das Vorrang.

Umso dankbarer bin ich dafür, dass Caro und die Familie den Hundesport so sehr unterstützen, dass ich letztes Jahr trotzdem bei der swhv, dhv und vdh an den Start gehen konnte. Das ist absolut nicht selbstverständlich.

Ich bin dadurch insgesamt auch entspannter im Sport geworden. Außerdem habe ich eine ganz neue Ebene von Geduld gelernt, mit Babys kannst du nichts erzwingen. Das funktioniert übrigens ziemlich genauso wenig wie mit Hunden. Diese Gelassenheit hat sich extrem positiv auf mein Hundetraining ausgewirkt.

Diese Familienrudel-Momente sind unbezahlbar. Klar bin ich abends oft fix und fertig aber gleichzeitig auch sehr glücklich. Und es macht mich stolz zu sehen, wie gut sich unsere Hunde angepasst haben. Sie mussten lernen, auch mal zurückzustecken, zum Beispiel wenn ich nicht sofort spielen kann, weil ich ein Baby auf dem Arm habe. Dass sie das so selbstverständlich mittragen, zeigt mir, wie stabil unser Vertrauensverhältnis ist.

Unterm Strich kann ich sagen: Unser Alltag ist voll, laut und chaotisch aber er ist vor allem mit sehr viel Liebe gefüllt

Zum Abschluss drehen wir den Spieß um. Welche Frage willst du mir denn unbedingt stellen?

Oh, das ist interessant mich mal die Fragen stellen zu lassen 😄. Da fallen mir tatsächlich einige ein.
Eine, die mich wirklich interessieren würde, wäre folgende:

Ich habe schon öfter mit Teilnehmern deiner THS-Kurse gesprochen und auch mit ihnen trainiert. Der Satz „Das hat Bianca auch zu mir gesagt“ fiel dabei erstaunlich oft 😄 das hätte ich nicht erwartet. Und in vielen Situationen hätte ich aus dem Bauch heraus gesagt, dass du sehr wettkampfspezifisch trainierst.

Deshalb meine Frage: Wo glaubst du (ganz ins Blaue geschossen) unterscheiden sich deine Trainingsansätze am deutlichsten von denen anderer Trainerinnen und Trainer?

Erst einmal freut es mich sehr, dass die Trainingstipps, die ich im Rahmen von Trainings und Workshops vermittle, so nachhaltig wirken. Es ist mir ein großes Anliegen, dass jedes Team zufrieden aus einem Training mit mir herausgeht und einen klaren Fahrplan dafür hat, wie es anschließend weitertrainieren kann. Und das sage ich nicht nur so – ich meine das wirklich ernst. Ich denke, genau das kommt auch bei den Hundesportler an, die ich begleiten darf.

Außerdem erhalte ich nach Workshops häufig das Feedback, dass nur wenige (THS-)Trainer so tiefgehende individuelle Tipps und Ideen für jedes Leistungsniveau mitbringen und diese gleichzeitig so offen und ganzheitlich weitergeben. Sicherlich spielt auch das eine Rolle.

Mir ist es besonders wichtig, dass sich sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene in meinem Training wohlfühlen. Eine Teilnehmerin, die mit ihrem jungen Hund noch größere Herausforderungen hatte, sagte einmal zu mir, dass sie noch nie so viel Wertschätzung gegenüber Mensch und Hund erlebt habe wie in meinem Training. Das hat mich sehr glücklich gemacht.

Denn ja, ich trainiere – insbesondere in Workshops und gezielten THS-Einheiten – in der Regel sehr wettkampforientiert, kleinschrittig und PO-konform. Gleichzeitig hat jede einmal angefangen. Als ich selbst mit dem THS begonnen habe, hatte ich das große Glück, von einem großartigen Trainer begleitet zu werden. Umso schöner ist es heute, dieses Glück als Hundetrainerin selbst weitergeben zu dürfen.

Marcel Sobotta ist aktiver Hundesportler mit Schwerpunkt THS und Rally Obedience. Erfahre mehr über seine Trainingsphilosophie, Hunde und Erfolge.

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