Vorschaubild zum Interview mit der internationalen Hundesportlerin Nina Cappello auf einer grünen Wiese mit Hundesport-Motiven

Interview mit der international erfolgreichen Hundesportlerin Nina Cappello

Hundesport, Hundephysiotherapie & Erziehung: Nina Cappello über Canicross, THS und ein gesundes Leben mit Sporthunden

Hundesport begeistert immer mehr Menschen, doch hinter Erfolgen im Turnierhundesport, Canicross oder Dogscooter steckt weit mehr als nur Training. Im Interview spricht Hundetrainerin und Hundephysiotherapeutin Nina Cappello über ihren Weg vom ersten Hund bis hin zu nationalen und internationalen Erfolgen im Hundesport. Sie erzählt, wie ihre Hunde sie geprägt haben, warum Gesundheit und Erziehung die Basis für jeden Sporthund sind und worauf Hundehalter im Training unbedingt achten sollten. Außerdem gibt sie spannende Einblicke in ihren Alltag als Familie mit mehreren Hunden, ihre Arbeit als Hundephysiotherapeutin und verrät wertvolle Tipps zur Verletzungsprophylaxe, Fitness und fairen Hundeerziehung.

Nina, stell dich bitte kurz vor: Wie bist du vom ersten Hund über deine Erfolge im Hundesport zu deiner Arbeit als Hundetrainerin und Hundephysiotherapeutin gekommen?

Ich bin mit Hunden aufgewachsen – schon bei meiner Geburt lebte ein Pudelmix bei uns. Mit 14 kam mein Mali-Husky-Mix Jack in mein Leben. Durch meine sportliche Vergangenheit in der Leichtathletik suchte ich eine gemeinsame Beschäftigung und fand sie im Turnierhundesport (THS). Mit Jack startete ich auf Kreis-, Landes- und Deutschen Meisterschaften – und der Hundesport ließ mich nicht mehr los.

Mein nächster Hund, Yukon, ein Saarlooswolfhund-Schäferhund-Mix, stellte mich vor ganz neue Herausforderungen: charakterstark, körperlich anspruchsvoll und früh chronisch krank.

Nina Cappello hält Huskywelpe Dreki auf dem Arm und lächelt in die Kamera

Durch ihn begann ich, mich intensiv mit Gesundheit, Therapieformen und insbesondere Hundephysiotherapie zu beschäftigen. 2017 startete ich deshalb neben meinem Vollzeitjob als Verwaltungsfachwirtin die Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin. Yukon hat mich fachlich wie persönlich am meisten geprägt.

2019 kam mein Husky Dreki dazu, mit dem ich sportlich noch einmal voll durchstartete. Trotz vieler Zweifel schafften wir es im THS bis in die höchste Leistungsklasse (VK3), wurden Landesmeister und VDH-Deutscher Meister im Sprint-VK. Zusätzlich begleitete ich über mehrere Jahre zahlreiche Teams im Verein als Trainerin.Parallel entwickelte sich meine Leidenschaft für den Zughundesport. 2013 begann ich mit Jack – ohne große Erfahrung, aber mit viel Lernbereitschaft. Mit jedem Hund wuchs mein Wissen: Yukon überzeugte früh im internationalen Rennsport, Gringo, der Hund meines Mannes, lehrte mich Geduld im Training und Dreki brachte mich zu mehrfachen Deutschen Meistertiteln im Dogscooter sowie internationalen Erfolgen bis hin zum Vizeweltmeistertitel der reinrassigen Schlittenhunde im Dogscooter. Auch mit der Hound-Hündin Helga, die Hündin meines Mannes, lernte ich erneut, wie entscheidend strukturiertes Training ist.

Heute verbinde ich über 15 Jahre praktische Erfahrung im Hundesport mit fundiertem Wissen aus der Hundephysiotherapie. Denn das wichtigste Wissen lernt man nicht aus Büchern – sondern von den eigenen Hunden und den Teams, die man begleiten darf.

Du ohne Hunde – kaum vorstellbar. Neben deinem eigenen Training bist du beruflich rund um Hunde aktiv und auch noch mit einem bekannten Hundesportler verheiratet – Renzo Cappello. Wie klappt bei euch das Leben als Familie mit mehreren Hunden und mit Kind? Und was macht für dich das Leben mit Hund besonders? 

Das Leben als Familie mit Hunden und Kind ist wunderschön, aber definitiv auch anspruchsvoll. Unsere drei akutellen Hunde stammen alle aus Arbeitslinien und bringen entsprechend viel Energie und Potenzial mit. Gleichzeitig haben wir natürlich auch die Bedürfnisse unseres Kindes im Blick. Beides unter einen Hut zu bekommen, erfordert Struktur, Organisation und gutes Training im Alltag. 

Deshalb ist es für uns essenziell, dass unsere Hunde zu 100 % alltagstauglich sind. Vieles kombinieren wir: Das Kind kommt mit zum Training, sitzt beim Scootern im Freilauf auf dem Rücken in der Trage, bzw. fährt mittlerweile selbst Fahrrad oder spielt am Hundeplatz, während wir trainieren. Unsere Hunde kennen das – und unser Kind kennt es nicht anders. So profitieren am Ende alle: Die Hunde sind ausgelastet, unser Kind ist draußen und wächst ganz selbstverständlich mit diesem Lebensstil auf. 

Auf Wettkämpfen organisieren wir uns gut, vor allem wenn wir beide starten. Wir haben das Glück ein starkes Umfeld zu haben, das unterstützt, wenn wir gleichzeitig an den Start müssen. Und genauso gibt es Tage, an denen die Hunde „nur“ spazieren gehen, weil wir Zeit als Familie im Schwimmbad oder auf dem Spielplatz verbringen. Auch das gehört dazu und auch das können unsere Hunde. 

Natürlich ist es manchmal ein Balanceakt, und man darf den eigenen Stresspegel nicht unterschätzen. Aber für mich überwiegt ganz klar das Positive: das gemeinsame Draußensein, das Arbeiten im Team – und zu sehen, wie Kind und Hunde miteinander aufwachsen. Genau das macht für mich das Leben mit Hunden so besonders.

Im Sommer bist du im Sprintvierkampf unterwegs, im Herbst und Winter beim Canicross. Wie planst du dein Training übers Jahr verteilt? Und wie sieht bei dir eine typische Trainingswoche aus? 

Nina Cappello und ihre Hündin Helga beim Slalomlauf in Hundesport

Unsere Trainingsplanung ist klar saisonal aufgebaut. Im Oktober beginnt die Zughundesaison. Je nach Temperaturen starte ich mit drei bis vier Trainingseinheiten pro Woche. Anfangs liegt der Fokus stärker auf Freilauftraining – etwa ¾ Freilauf und ¼ gezieltes Zugtraining. Im Laufe des Winters verschiebt sich das Verhältnis auf etwa 50/50, die Distanzen werden länger und die Belastung strukturierter aufgebaut. 

Im Sommer liegt der Schwerpunkt eigentlich auf dem Sprintvierkampf im THS. Bevor wir Eltern wurden, waren wir mindestens dreimal pro Woche auf dem Hundeplatz.

Von dieser intensiven Basis profitiert vor allem Dreki heute noch sehr. Aktuell ist es zeitlich deutlich herausfordernder – wenn wir es einmal pro Woche auf den Platz schaffen, ist das schon viel. Tatsächlich gehen wir oft mit relativ wenig spezifischem THS-Training in Wettkämpfe. Das funktioniert nur, weil die Grundlagen stimmen und Dreki in den Laufdisziplinen absolut zuverlässig ist. 

Mein eigenes Training ist ebenfalls stark vom Alltag abhängig. Spezifische Sprintreize setze ich vor Meisterschaften ein- bis zweimal pro Woche, wenn es zeitlich passt. Ansonsten profitiere auch ich von meiner sportlichen Basis aus dem Leistungssport in der Leichtathletik zwischen meinem 11. und 18. Lebensjahr. 

Unterm Strich ist unser Training heute deutlich effizienter und alltagstauglicher organisiert als früher. Die Grundlage wurde über viele Jahre gelegt. Heute geht es vor allem darum, diese Qualität zu erhalten und gezielt abzurufen. Trotz allem würden wir gerne mehr Zeit mit Training verbringen, es ist aber leider aktuell nicht so einfach möglich. 

Welche besonderen Momente sind dir als Hundesportlerin, Hundephysiotherapeutin und Hundetrainerin bisher besonders im Gedächtnis geblieben? 

Die schönsten Momente erlebe ich definitiv gemeinsam mit meinen Hunden – wenn das Training greift und sie voller Freude alles geben, wenn man merkt, dass die Arbeit Früchte trägt. Das kann beim Sport sein, wenn sie konzentriert laufen, perfekt reagieren und einfach Spaß an der Bewegung haben.

Als Hundephysiotherapeutin sind es besonders die Augenblicke, in denen Hunde, die vorher stark eingeschränkt waren oder schlecht liefen, nach einer Behandlung deutlich beweglicher und zufriedener sind. Zu sehen, wie die Therapie ihr Leben verändert, ist unglaublich erfüllend. 

Nina Cappello sitz mit vier Hunden bei einem Fotoshooting im Freien

Und dann gibt es diese magischen Momente im Zughundesport: Wenn man mit zwei oder drei Hunden auf dem Scooter steht, sie wie die Wilden loslaufen und der Wind einem um die Nase weht – da spürt man einfach diese pure Energie und Verbindung zwischen Mensch und Hund. Solche Momente sind für mich unvergesslich und machen all die Arbeit, das Training und die Mühe mehr als wert. 

Aus deiner Erfahrung als Hundephysio: Was könnten Hundesportler im Training oder Alltag tun, um Verletzungen vorzubeugen und den Gang zur Physio möglichst zu vermeiden? 

Für mich ist das A und O, dass Hundesportler das Warm-up und Cool-down ernst nehmen. Jeder Hund sollte vor jeder Trainingseinheit richtig aufgewärmt werden – kurze Läufe, Mobilisation, gezielte Lockerungsübungen – damit Muskeln, Sehnen und Gelenke optimal vorbereitet sind. Ebenso wichtig ist das Abwärmen nach dem Training, um den Körper wieder herunterzufahren und Verletzungen vorzubeugen. 

Zudem ist die genaue Beobachtung des Hundes essenziell. Jeder Hund zeigt individuell Signale, wenn etwas nicht stimmt – sei es ein leichtes Humpeln, veränderte Bewegungen oder Unlust. Diese Warnzeichen ernst zu nehmen, kann oft verhindern, dass kleine Probleme zu ernsthaften Verletzungen werden. 

Darüber hinaus rate ich jedem Hundesportler, seinen Hund regelmäßig tierärztlich untersuchen zu lassen, bevor Trainingsintensität oder Wettkämpfe gesteigert werden. Röntgenbilder, Gesundheitschecks und eine gründliche Abklärung sorgen dafür, dass man weiß, dass der Hund gesund und belastbar ist, das schafft die beste Grundlage für langfristigen, sicheren Sport. 

Am Ende geht es darum, Vorbereitung, Beobachtung und Vorsorge zu kombinieren. Wer das beherzigt, kann die Leistung seines Hundes steigern, ohne unnötige Risiken einzugehen – und den Gang zur Physiotherapie auf ein Minimum reduzieren.

Immer mehr Hundehalter kommen prophylaktisch zur Physiotherapie und lassen ihre Hunde regelmäßig checken. Wie sieht für dich ein gesunder Umgang mit einem Sporthund im Hinblick auf seine körperliche Gesundheit aus?

Nina Cappello und ihr Hund springen beim Tunierhundesport gemeinsam über eine Hürde

Für mich sollte es selbstverständlich sein, einen Sporthund regelmäßig ärztlich und physiotherapeutisch durchchecken zu lassen. Schließlich möchten wir so lange wie möglich etwas von unseren vierbeinigen Partnern haben – und dabei steht die Gesundheit immer an erster Stelle. Bei gesunden Sporthunden empfehle ich mindestens drei Checkups im Jahr: vor der Saison, während der Saison und nach der Saison. So kann man sicherstellen, dass der Hund fit und belastbar ist, muskulär ausgeglichen bleibt und sich keine kleinen Probleme einschleichen, die später zu Verletzungen führen könnten. 

Ebenso wichtig ist es, dass der Halter selbst ein aufmerksames Auge für seinen Hund hat. Veränderungen in der Bewegung, Auffälligkeiten beim Laufen oder beim Training sollten sofort ernst genommen werden. Frühes Handeln kann Verletzungen verhindern und sorgt dafür, dass der Hund langfristig gesund und leistungsfähig bleibt. 

Für mich bedeutet ein gesunder Umgang mit einem Sporthund also eine Mischung aus regelmäßiger professioneller Kontrolle, aufmerksamem Beobachten und einer liebevollen, vorausschauenden Haltung. So kann man gemeinsam viele Jahre Freude am Sport haben. 

Auf Social Media sieht man oft sehr anspruchsvolle Fitnessübungen für Hunde. Viele probieren das zuhause nach – manchmal nicht sauber ausgeführt oder zu schwer für den Hund. Wie siehst du das? Lieber „irgendwas“ machen, auch wenn nicht perfekt, oder kann das mehr schaden als nutzen? 

Grundsätzlich denke ich, dass es immer besser ist, sich überhaupt mit seinem Hund zu beschäftigen, als gar nichts zu tun. Gemeinsame Bewegung, Beschäftigung und spielerische Aktivitäten stärken die Bindung und fördern die Gesundheit – selbst wenn nicht alles perfekt läuft. 

Mein Tipp: Lieber klein anfangen, auf den Hund achten, die Übungen sauber und kontrolliert ausführen und sich bei Unsicherheit professionelle Anleitung holen. So bleibt das Training effektiv. 

Nina Cappello führt ihren Hund bei einer Unterordnungsübung, während dieser Aufmerksam zu ihr auf schaut.

Trotzdem ist Vorsicht geboten: Fitnessübungen sollten korrekt ausgeführt werden, damit sie ihrem Zweck dienen und den Hund nicht belasten. Besonders bei Hunden mit Vorerkrankungen – zum Beispiel Gelenkprobleme – können falsch oder unsauber ausgeführte Übungen auf Dauer mehr schaden als nutzen. 

Thema Erziehung: Kann man Hundesport und Hundeerziehung überhaupt trennen, oder gehört das untrennbar zusammen? 

Hundesport und Erziehung gehören für mich fest zusammen. Ein Hund, der nicht gut erzogen ist, kann im Sport kaum richtig geführt werden. Die Basis – also das, was der Hund im Alltag gelernt hat – muss stimmen, sonst klappt weder Training noch Wettkampf. Mit guter Erziehung wird es auch für den Hund viel fairer . Er weiß, was von ihm erwartet wird, versteht, worauf es ankommt, und ihr könnt als Team zusammenarbeiten. Ohne diese Grundlage wird Hundesport schnell frustrierend – für Hund und Mensch. 

Kurz gesagt: Gute Erziehung ist das Fundament für erfolgreichen Hundesport. Sie sorgt dafür, dass beide Seiten Freude haben und die Zusammenarbeit klappt 

Mit welchen typischen Probleme kommen Hundehalter zu dir ins Hundetraining mit dem Schwerpunkt Erziehung? Teile uns gerne deine Gedanken zu diesen Herausfordernungen im Erziehungbereich. 

Nina Cappello und ihr Hund überqueren gemeinsam eine Hürde auf einem Hundesporttunier

Die meisten Hundehalter kommen zu mir, weil Probleme im Alltag entstehen. Ganz häufig geht es um Themen wie unsicheren Freilauf, reaktive Hunde bei Begegnungen oder eine fehlende Leinenführigkeit – also Situationen, die im täglichen Leben für Stress oder Unsicherheit sorgen. 

Oft fällt es den Menschen auch schwer, klar Grenzen zu setzen. Hunde brauchen Regeln und Struktur, um sich sicher zu fühlen und zu wissen, was erlaubt ist und was nicht. Genau hier setzen wir im Training an: Wir zeigen den Haltern, wie sie konsequent, aber angemessen Grenzen setzen und ihre Hunde verstehen können.

Mein Ziel ist immer, dass Hund und Mensch besser miteinander kommunizieren, der Alltag entspannter wird und die Hunde lernen, sich sicher und zuverlässig zu verhalten. Mit klaren Strukturen, passendem Training und Verständnis für den Hund lassen sich die meisten Alltagssituationen deutlich verbessern und das Zusammenleben wird für beide Seiten viel harmonischer.  

Was würdest du mit einem jungen Hund auf jeden Fall trainieren, damit der spätere Alltag zwischen Mensch und Hund gut funktionieren kann? 

Für mich sind einige Grundlagen entscheidend, damit Mensch und Hund später gut zusammenleben können. Ganz vorne steht die Orientierung am Menschen – der Hund sollte lernen, sich am Halter zu orientieren, Signale zu erkennen und darauf zu reagieren. Dabei ist es wichtig, klar zu kommunizieren, konsequent Grenzen zu setzen, aber auch zur richtigen Zeit viel zu loben. 

Ebenso entscheidend ist Ruhe und Geduld: Ein Welpe oder Junghund sollte lernen, nicht ständig im Mittelpunkt stehen zu müssen, sich zurückzunehmen und entspannt zur Ruhe zu kommen, wenn gerade nichts los ist. 

Mir ist außerdem wichtig, dass Halter entspannt bleiben und sich nicht von Social-Media-Videos verunsichern lassen. Jedes Training sollte auf das eigene Team abgestimmt sein, auf das eigene Bauchgefühl gehört werden – das geht in der heutigen Zeit leider oft verloren. 

Kurz gesagt: Klarheit, Orientierung, Geduld und positive Verstärkung sind die wichtigsten Bausteine, um aus einem jungen Hund einen ausgeglichenen, zuverlässigen Begleiter für den Alltag zu machen. 

Grafik zum Interview mit der Hundeportlerin Nina Cappello beim Slalomlauf mit Hund, Informationen und ihren Erfolgen

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